Freitag, Mai 25, 2007

Kippenbergers Kinder?


Die Produzentengalerie erscheint in den Medien als ein Phänomen der neuen hippen Berliner Mitte, in der Sammler auf Jagd nach der Kunst von morgen gehen. In den 1960ern waren Produzentengalerien revolutionäre Formen der Kunstvermittlung.
Die Gründung einer Produzentengalerie beruht entweder auf politisch-ideologischen oder auf rein praktischen bzw. ökonomischen Beweggründen. Die Künstler warten nicht mehr auf die „Entdeckung“ durch einen Galeristen, sondern stellen einen Galeristen ein. Andere Künstler gründen eine Produzentengalerie als Projektraum, um Ihre Interessen uneingeschränkt gestalten können.
Ein Meister der Selbstvermarktung war Martin Kippenberger. Seine Aktionen im SO 36, wo er Konzerte und Ausstellungen veranstaltete, die Punkband „Die Grugas“ gründete waren Anschläge gegen eine elitäre Kunstbetrachtung und damit eine konsequente Demontage des traditionellen Kunstbegriffs. In der 1971 von Dieter Hacker gegründeten „7. Produzentengalerie“, galt die Vermittlung der eigenen Arbeit als ein Teil der Arbeit selbst.
Bereits 1964 eröffnete die Galerie Großgörschen 35. Die Gründer waren Berliner Realisten, die sich mit den derzeitigen politischen Ereignissen auseinandergesetzt haben und von den Dresdner und Berliner Veristen der 1920er Jahre beeinflusst waren. Ulrich Baehr, Werner Berges, Hans Jürgen Diehl, Wolfgang Petrick, Peter Sorge und Lambert Maria Wintersberger gehörten zu dieser Gruppe. Diese Selbsthilfe Galerie hat Künstlern einen Einstieg in den Kunstmarkt verschafft. Was heutzutage in Berlin passiert ist also gar nichts neues, sondern eine Folge dieses Konzeptes.
Die Galerien Invaliden1 und Montanaberlin liegen in der Tradition der ursprünglichen Produzentengalerien. Bei Invaliden1 läuft die Organisation nach demokratischen Ansätzen. Sie treffen sich und entscheiden innerhalb der Gruppe wer was zeigen wird oder welcher Künstler eingeladen werden sollen. Es ist mehr eine Gruppe von Freunden, die internationale Kunst präsentieren wollen.
Bei Montanaberlin handelt es sich um eine sehr stark konzeptuell geprägte Produzentengalerie. Die fünf Gründungsmitglieder der Galerie werden schon von anderen Galerien vetreten. Sie nutzen den Projektraum für ihre eigenen Ideen. Sie bestimmen sich nicht als eine Gruppe, sondern arbeiten relativ selbständig, obwohl sie auch gerne einige Ausstellungen zusammen gestalten. Esther Horn, Mitbegründerin der Galerie, beschreibt Montanaberlin als den Ort wo sie Aspekte der Kunst und interessante Zusammenhänge von künstlerischen Positionen zeigen und dabei ihren eigenen Kunstbegriff erweitern. Die Galerie hat als Prinzip das Zeigen und sie wollen nicht kommerziell arbeiten.
Künstler, die einen kommerziellen Erfolg anstreben, stellen einen Galeristen ein, der die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, die Künstler repräsentiert und der die Aufgabe hat diese innerhalb von zwei Jahren im Markt zu positionieren, was oftmals heisst von einer anderen Galerie vertreten zu werden.
Herzlichen Dank an Julia Schneider für die zu Verfügungsstellung ihrer Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin (bei Prof. Dr. Michael Diers), vorgelegt im März 2007.

Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, Mai 2007

Text: Katerina Valdivia Bruch

http://www.kunstmagazinberlin.de/0705/index.shtml