Donnerstag, September 18, 2008

Re-Imagining Asia: Zwischenräume der Imagination


Was bedeutet zeitgenössische asiatische Kunst? Kann asiatische Kunst zeitgenössisch und nicht durch Regionalismus gekennzeichnet sein? Diese und andere Fragen haben sich die Kuratoren Wung Hu und Shaheen Merali während der Entwicklung des Konzeptes für Re-imagining Asia gestellt. Die ausgewählten Arbeiten beruhen nicht auf einem statischen politischen und geografischen Kontext oder auf einer kulturellen Identität, sondern vielmehr auf mobilen künstlerischen Gesichtspunkten, unter denen Asien oder „das Asiatische“ als imaginärer Ort, als Ort des Kollektiven und Treffpunkt von unterschiedlichen kulturellen und ästhetischen Traditionen auftritt. Diese Traditionen werden von den Künstlern individuell betrachtet und wieder neu entdeckt. Entscheidend für die Auswahl der 23 Künstler waren nicht ihr Geburtsort oder die ethnische Herkunft, sondern ihre Auseinandersetzung mit Asien. Das Spektrum reicht von indischen Künstlern wie Subodh Gupta über den Mexikaner Gabriel Orozco bis zu dem Chinesen Shen Shaomin und dem deutschen Fotografen Andreas Gursky. Anzutreffen sind Installationen, Fotografien und Objekte.
Die Darstellung Asiens geht über eine kulturelle Identität hinaus, vielmehr werden lokale und globale Sichtweisen vermischt, die sich als kreatives Netzwerk präsentieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit Passport von Rirkrit Tiravanija. Geboren in Argentinien als Sohn thailändischer Eltern, zog er erst nach Thailand, später nach Äthiopien und Malaysia, um dann in Ottawa (Kanada) die Highschool zu besuchen. Heute lebt der Künstler in New York. Sein Werk verarbeitet zugleich Migration, Mobilität und die multikulturellen Elemente der eigenen Identität.
Für die Entstehung der Video-Performance Needle Woman (1999–2001 und 2005) hat die koreanische Künstlerin Kimsooja eine Reise in verschiedene Städte (u. a. Tokio, New York, London, Mexiko-Stadt, Kairo, Neu-Delhi, Shangai, Lagos, Jerusalem, Havanna, Rio de Janeiro) unternommen. Auf den dort aufgenommenen Videos steht ihr Körper isoliert in einer Masse von Menschen, sichtbar sind nur ihr Rücken und ihr Kopf. Sie wirft damit die Frage auf, was die Darstellung eines isolierten Körpers bedeuten kann. Kimsoojas Arbeiten beinhalten eine intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Migration, Integration und Armut.
Die ausgestellten Arbeiten sind jenseits von kulturellen und geografischen Barrieren gedacht und bieten einen Grund, sowohl über Asien und als auch über das „Asien in uns selbst“ nachzudenken.
Re-imagining Asia umfasst vier Themen: Liebe und Fantasie, Architektur und Mobilität, Freud und Leid und Unbehagen im System. Zudem wird ein umfangreiches Programm präsentiert, welches von Lesungen und Konferenzen über Workshops bis hin zu Performances reicht. Diese Performances werden während der Filmreihe von fünf in Berlin lebenden Künstlern präsentiert. Dazu kommt auch das Dance-Video-Music-Project „The Abduction of Sita“ von Joachim Schloemer und ein von Ilija Trojanow kuratiertes Literaturprogramm.

Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, März 2008

Text: Katerina Valdivia Bruch

Photo: Needle Woman © Kim Sooja

Copyright Photos: © the artists. 
See complete information about the photo credits at the Kunst Magazin Berlin web site.

http://www.kunstmagazinberlin.de/0803/index.shtml